33. Fontanewanderung - Das Ländchen Friesack und die Bredows
Eine Wanderung im Havelländischen Luch durchzuführen, bedarf schon einer genügenden Portion Mut. Es weiß schließlich jeder,
dass es hier überall Gräben gibt, die Brücken aber fehlen und wenn nicht, dann nur zu einer bewohnten Weide führen. Egal – ich brachte diesen Mut auf – und, um es gleich vorweg zu nehmen, wurde es wieder eine sehr schöne Wanderung.
Am 7. Mai 2011 fuhren wir also erst einmal nach Friesack. Dort wartete schon der Linienbus auf uns. Nach einer kleinen Rundfahrt durch das Bredow-Land erreichten wir den Startort Pessin.
13 Wanderfreundinnen und -freunde; das waren genauso viel, wie im vergangenen Jahr – und das trotz der umständlichen Anreise!
Das erste Ziel war die Kirche. Wir konnten uns den eigentümlichen Bau von außen und von innen ausgiebig betrachten und erhielten dazu noch ein paar erklärende Worte. Gleich neben der Kirche steht das ehemalige Herrenhaus derer von Knoblauch. Sieht man von der geputzten Seitenwand einmal ab, so könnte es wirklich eines der ältesten Herrenhäuser der Mark sein. Am Türbalken steht jedenfalls 1419.
Ein Stückchen weiter überschritten wir den ehemaligen Bahndamm der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir von Horst Schmidt, dass hier nicht nur die "Stille Pauline" sondern auch die "Röchelanna" ihre Wagen hinter sich her zog. Lang ist's her.
Von hier führte unser Weg immer tiefer ins Luch hinein. Zum Glück hatte ich bei der letzten Vorwanderung noch einen Übergang gefunden, der nicht direkt auf eine Rinderweide führte.
Dann ging es auch noch an einem Stacheldrahtzaun entlang. Horst Zscheile, der wie immer meine Beschreibung kontrolliert hatte, bestand auf den Zusatz "Vorsicht, Stacheldraht" und meinte, "Das soll nicht nur ein Arbeitsschutzhinweis sein, sondern auch bedeuten, dass dieser schmale Pfad der richtige ist". Schließlich erreichten wir den Ort Liepe. Von Weitem grüßte uns schon die Kirche, doch zuvor führte unser Weg durch den ehemaligen Gutspark, der anlässlich der Landesgartenschau aufgemotzt wurde, nun aber offenbar wieder in Vergessenheit gerät. Schade um die schöne Anlage.
Selbstverständlich erhielten wir in der Lieper Kirche eine Führung. Der zu einem Leuchterengel umfunktionierte Taufengel erstrahlte in frischem Glanz und auch sonst hatte die Kirche viel zum Thema der diesjährigen Fontanewanderung zu bieten.
Der Geist der Familie von Bredow war in der Gegend eben auf Schritt und Tritt zu spüren. Noch eine kurze Rast am ehemaligen Herrenhaus, um zu hören, dass auch Theodor Fontane schon nichts Besonderes an diesem Gebäude fand, und dann begaben wir uns auf einen langen Plattenweg nach Kriele. Die dortige Kirche schauten wir uns nur von außen an, und auch von Fontane erfuhren wir relativ wenig über diesen Ort. Dann ging es weiter. Es erwartete uns ein märkischer Sandweg vom Feinsten. Doch die Aussicht auf einen Kaffee wirkte bei vielen Wunder. Schnell passierten wir noch ein kleines Waldstück und kamen endlich im Fintelmannhaus in Senzke an. Im Inneren des Hauses gab es nicht nur eine Ausstellung von Zeichnungen zum Thema „Vielfalt der Natur“, sondern auch den langersehnten Kaffee. Und damit wir auch völlig zufrieden sein konnten, haben die Senzker Landfrauen für uns auch noch Kuchen gebacken.
Der Aufenthalt hier gestaltete sich ohnehin etwas länger, da wir ja die Teilnehmer der 13-km-Strecke treffen wollten. So etwas gab es ja bei der Fontanewanderung noch nie! Endlich war die Gruppe unter der bewährten Leitung von Helga Fischer da, und wir konnten gemeinsam die Senzker Kirche besichtigen.
Erstaunlich waren für mich die blauen Fenster in der Apsis. Die sollen aber historisch belegt sein. In der Kirche hörten wir dann vom Wanderleiter, was Fontane über Senzke im Allgemeinen und über seine Kirche im Besonderen zu sagen wusste. Na ja, aber es gab ja schon Kirchen, die sind noch schlechter weggekommen.
Während sich die "13-km-Gruppe" wieder zur Kaffeetafel ins Fintelmannhaus begab, mussten wir weiter ziehen. Bis nach Wagenitz war eine etwa 4 km lange Feldpassage zu bewältigen: kein Schatten! Dann hatten wir endlich das Ziel unserer Begierde erreicht: das Bild.
Fontane beschrieb es ausführlich und viele Touristen kommen extra nach Wagenitz, um es zu sehen. Aber der Ort hat ja noch ein weiters Highlight zu bieten: den Schwedenturm, der eigentlich nur ein simpler Schornstein ist.
Was es mit diesem auf sich hat, hörten wir ebenfalls von unserem Wanderleiter, der uns anschließend durch den Park führte. Auch hier spürten wir noch den Geist der Bredows, und sollten ihn beim Abstecher zum Friedhof noch stärker spüren. Das Mausoleum ist zwar in eine Feierhalle umfunktioniert,
jedoch die ehemals sich darin befindlichen Särge nebst den dazugehörigen Steinen liegen jetzt vor dem Gebäude. Ach so, inzwischen war unsere Gruppe um zwei Mitwanderinnen geschrumpft, denn diese hatten die Aussteigemöglichkeit in Wagenitz wahrgenommen, sind in den Bus eingestiegen – und haben dort noch einmal die „13-km-Gruppe“ getroffen.
Wir anderen liefen eiligen Schrittes auf einer schönen Allee am Großen Havelländischen Hauptkanal weiter. Dann ging es noch einmal „über Stock und Stein“ und auf gerade noch als solche erkennbaren Wegen durch einen über und über mit Maiglöckchen bewachsenen Wald. Trotz aller Eile gönnten wir uns noch eine Pause und erreichten pünktlich zur Abfahrt des Zuges den Bahnhof in Paulinenaue.
Obwohl vereinzelte Stimmen fragten, warum denn so wenig Teilnehmer mit von der Partie waren, meinten alle, dass die diesjährige Fontanewanderung wieder eine gelungene Veranstaltung war.
Auch aus Sicht der "13-km-Chefin" wieder ein Bericht
Auch in diesem Mai waren wir wieder auf den Spuren Fontanes, diesmal im Ländchen der Bredows. Pünktlich hat Petrus am Thermostat gedreht, 22° C, Sonne pur, die Regenklamotten blieben zu Hause. Nein, dies ist ein kleines bißchen geschwindelt. Um notfalls dem Wettergott zu drohen, hatte ich dann doch den leichtesten meiner Regenschirme eingepackt. Man trägt ja eine gewisse Fürsorge als Wanderleiterin, und es hat ja funktioniert.
Wir starteten in Paulinenaue, eine Gruppe von 16 Wanderern. Wie vorausgesehen hatte ich überwiegend Vereinsmitglieder und hauptsächlich Mädels dabei, während Egon wieder mehr Gäste und Knaben durch die Botanik führte. Auf unserem Weg nach Wagenitz hatte der Wald uns viel Knüppelholz zwischen die Füße geworfen. Hier erwartete ich Zeter- und Mordio-Geschrei, aber nein, so oft ich auch meine Lauscher nach hinten klappte, ich hörte nur das knackende Holz. Aber auch meine Augen mußten wachsam sein, die Natur war in kurzer Zeit explodiert. Zusätzliche Merkmale, die ich mir in der Streckenbeschreibung notiert hatte und die einen Monat zuvor noch gut zu sehen waren, verschluckte jetzt der Blätterwald. Meine im Gehirn abgespeicherten Bilder waren durch den gewaltigen Pflanzenwuchs ebenfalls nicht mehr zu gebrauchen. Aber alle, die jetzt glauben, ich hätte mich deshalb verlaufen, nee, nee, die irren sich.
Am Großen Havelländischen Hauptkanal entlang erreichten wir Wagenitz. Zuerst schauten wir uns auf dem Friedhof die Grabplatten der Bredows an. Sie verweigerten sich zunächst erfolgreich unseren Blicken. Unser Doktor der Physik studierte zwar intensiv die Eigenschaften des Friedhoftors, doch es ließ sich nicht öffnen. Wenig später, einem Eingeborenen sei Dank, zeigte sich jedoch, Doktorchen war nur zu schwach. Es war also wichtig, am dortigen schönen Grillplatz eine Mittagspause zu verordnen. Gestärkt wanderten wir dann zum Bredowdenkmal im Schloßpark und standen kurz darauf auf dem Dorfanger.
Dort beäugte uns ein Storch vom Schwedenturm herunter. Er schaute so vorsichtig über seinen Nestrand, als dächte er: "Oje, eine neue Schwedeninvasion? Und mitten in meiner Mittagsruhe?" Ja, vielleicht hätte er sich ducken und den Turm in Fontaneturm umbenennen sollen. Aber keine Angst, wir ließen ihn leben und stürmten statt dessen die Kirche. Und wieder begegnete uns das Adelsgeschlecht der Bredows. Ein Sohn, der damals als Einziger die Schwedenoffensive überlebt hatte, verewigte sich hier mit seiner Familie in einem Bild. Mein Interesse galt aber vor allem der Gruft, in die man nur durch zwei Kellerfenster hineinschauen konnte. Ich hatte extra meine Taschenlampe mitgenommen, die sich allerdings als Reinfall erwies. Ganz stolz zeigte mir daraufhin Uli sein Exemplar, eine LED-Leuchte, sah ja super schick aus, aber auch sie ein Mega-Flop. Auch bei ihr zerstreute sich das Licht, och! Der Kirchendiener gab uns einen Tip. Ein mit Blitzlicht aufgenommenes Foto würde das Geheimnis preisgeben. Und so war es auch. Horst schoss in beide Kellerfenster, und es zeigten sich in beiden Räumen einige Holzsärge, auch ein kleiner Kindersarg. Der mittlere Raum offenbarte sich jedoch nicht, er bleibt weiterhin geheimnisvoll. Durch den Wandertag und meine Recherchen zuvor hatte ich so viel Bredow inhaliert, daß ich mich schon als eine Ur-Ur-Ur-Urenkelin des ollen Bredow fühlte.
Wir liefen weiter nach Senzke. Auf meiner Vorwanderung mit Horst sahen wir 14 Rehe, die von einem Feld aufs andere unseren Weg kreuzten. Horst kannte sie schon, er hatte dieses Rudel schon auf seiner langen Teststrecke beobachtet. Auf der jetzigen Fontanewanderung zeigten sie sich aber nicht. Vielleicht dachten sie sich, heute ist Wochenende, und da haben wir frei. An endlosen Rapsfeldern entlang näherten wir uns Senzke. Dort sollten sich zum ersten Mal beide Gruppen treffen. Auf unseren Wanderungen zuvor hatten wir es schon wenige Male für möglich gehalten, aber nie hatte es geklappt. Immer war ich zu langsam. Oder war Egon zu schnell? Diesmal jedoch bogen wir rechtzeitig um die Ecke. Ich spickte über die Grundstücksmauer des Fintelmannhauses und sah, wie Egons Gruppe im Garten am Schmausen war. Ich hoffte nun, daß sie noch nicht alles aufgefuttert haben, hatte ich doch meiner Gruppe eine Überraschung angekündigt. Und nach einer weiteren Kirchenbesichtigung gab es sie dann auch. Statt stillschweigend an unserer kärglichen Klappstulle zu knabbern, hatten wir jetzt eine tolle Kaffee- und Kuchensause. Ein großes Dankeschön an die Frauen von Senzke.
Nach einem „tränenreichen“ Abschied ließen wir Egon weiterziehen, während wir nach getaner Arbeit mit Bus und Bahn nach Hause rollten.
Auf den Spuren von Theodor Fontane im Herbst - Königs Wusterhausen
Traditionsgemäß haben wir für die Herbstwanderung wieder eine "Bestandstour" ausgewählt: Eine Wanderung von 1994. Die damalige Strecke mussten wir natürlich etwas überarbeiten, um sie auf die Erfordernisse zweier geführter Wanderungen anzupassen. So kamen nur die Teilnehmer der langen Strecke in den Genuss der vollständigen Wanderung von damals; für die anderen bereiteten wir einen Ausschnitt daraus vor, der natürlich den schönsten Streckenteil umfasste.
Ausgerechnet heute probte die S-Bahn wieder ein wenig Chaos, und so entschloss ich mich, vorsichtshalber noch eine S-Bahn abzuwarten. Die 12 Mitwanderer schickte ich unter Leitung meiner Frau vor - 20 Minuten, die habe ich ja bis Zeesen locker ausgeglichen. Aber anstelle weiterer Mitwanderer kam Helga. "Ist keiner gekommen?", fragte sie voller Mitgefühl. Doch meine Erklärung beruhigte sie, und mit einen herzlichen "Bis bald" verabschiedeten wir uns, damit ich meiner Gruppe hinterher eilen konnte. Die wartete vorsichtshalber an der Waldecke auf mich.
Gemeinsam wanderten wir am Schloss Zeesen, von dem man außer einem verkrauteten Garten (oder war es ein Park) nichts sah, vorbei nach Körbiskrug. Unterwegs bekamen wir an der einzig möglichen Stelle auch noch den Zeesener See zu Gesicht, machten dort aber keine Pause, denn sonst wäre Helga mit ihrer Gruppe womöglich vor uns in Körbiskrug gewesen. So aber empfingen wir die Gruppe mit einem 13stimmigen Hallo, welches uns übrigens von 18 Stimmen geantwortet wurde.
Dann folgten wir dem geplanten Kurs über Neu-Kamerun (einschließlich Erklärung, warum die Stelle so heißt) und am Kleinen Tonteich entlang nach Gräbendorf. Am sonnenüberfluteten Rastplatz gönnte ich meiner Gruppe die erste Pause. Nur machte keiner von den Sitzbänken Gebrauch - alle flüchteten in den Schatten.
Der weitere Weg führte uns zum Haus des Waldes, einer Informationsstation für alle Fragen, die mit Wald und Jagd zusammenhängen. Unter dem Klang des Signals "Aufbruch zur Jagd" verließen wir die interessante Stätte. Wir hatten ja noch viel vor und Helgas Truppe saß uns im Nacken. Unser nächstes Ziel waren der Hölzerne See und die Schmölde. Um dorthin zu gelangen, streiften wir zunächst kurz den Frauensee und wanderten dann weiter durch die Dubrow.
Die nächste Pause war an einer Badestelle. Hier konnte ich endlich ein paar Zeilen von Theodor Fontane deklamieren.
War es nun Unachtsamkeit oder die Schönheit des Ufers - wir konnten uns einfach nicht von der Schmölde trennen, was uns dann einen Umweg von ca. 2 km einbrachte. Deshalb war Helga mit ihrer Gruppe auch schon vom Rastplatz am Südostufer des Frauensees aufgebrochen, als wir dort eintrafen und pausierten.
Von hier bis nach Gräbendorf war es nicht mehr weit, und der Zufall wollte es, dass auf dem Dorfanger gerade das "Herbstwerk", stattfand - ein Dorffest, wo es nicht nur Kaffee und Kuchen gab. Wir blieben 30 Minuten, verabschiedeten uns dann von 4 Wanderfreunden, die nach 26 km aufhörten und wanderten vergnügt weiter. Der Weg führte uns nun durch Märkische Heide (oder besser gesagt: Märkischen Sand) nach Senzig und weiter nach Neue Mühle. Im Landgasthof ließen wir die Wanderung ausklingen und liefen danach noch 15 Minuten bis zum S-Bahnhof Königs Wusterhausen.
Ein Blick auf die Teilnehmerzahl zeigt, dass die Fontanewanderung im Herbst angenommen wird wobei das Wetter sein Übriges zum Erfolg der Wanderung beitrug.
Und auch von dieser Wanderung gibt es einen Bericht der "13-km-Chefin".
Diesmal sind wir gemütlich mit dem Bus angereist, 18 frohgelaunte Wanderer. Es war noch recht kühl am Morgen, aber es sollte ein schöner warmer Tag werden. Der Wettergott hatte etwas gut zu machen und wollte sich wohl bei uns einschmeicheln, hatten wir doch diesen Sommer schon auf Ramschniveau herabgestuft. Zu oft mußten wir unsere Rettungsschirme aufspannen. Diesmal meckerte er also nicht und bescherte uns viel Sonne.
An der Bushaltestelle in Körbiskrug empfing uns Egons Gruppe, die in Königs Wusterhausen gestartet war und schon fünf Kilometer in den Beinen hatte. Nach einem fröhlichen Durcheinander scheuchten wir Egon voraus. Wir sollten ihn noch öfter sehen, zweimal von hinten und einmal von vorn. Schon deshalb war es eine besondere Tour. Wenige Minuten später, nach einer kleinen Einführung in meine Tour, stiefelten auch wir los.
Auf dem Weg nach Gräbendorf folgten wir Egons Spuren, ja, auf dem lockeren Sandboden konnte man deutlich die Sohlenabdrücke von Wanderschuhen erkennen. Und auf einer längeren geraden Strecke bei Neu-Kamerun sahen wir noch eine letzte Staubwolke seiner Gruppe am Ende des Weges, bevor sie in der Kurve verschwand. Auf unserem weiteren Weg am Kleinen Tonteich und der Siedlung Uhlenhorst vorbei ärgerten uns wieder die Quälgeister. Die Mücken waren nicht ganz so zahlreich wie in den Tagen zuvor, aber sie saugten uns weiterhin mit großer Gier aus. Kurz vor Gräbendorf vermißte ich die Gänse auf einer Wiese am Straßenrand, die uns auf der Vorwanderung hier begrüßten.
Einer Wanderin konnte ich allerdings recht geben: Ich hatte genug schnatternde Gänse um mich herum. Und so ging ich zufrieden weiter. An der Kirche sollte unsere erste Pause sein. Wir sahen noch, wie Egons Gruppe den Rastplatz freigab, aber wir konnten uns nicht bedanken. Sie schaute nicht einmal in unsere Richtung zurück. Im Haus des Waldes, einer Naturschutzstation, verpaßten wir sie nur knapp, aber dafür hatten wir das Vergnügen mit einer Gruppe Grünhemden, die jedoch ziemlich blau waren. Als sie uns zwar höflich, aber entschlossen vom Grillplatz verscheuchen wollten, zeigten wir ihnen noch die gelbe Karte. Sie grölten auch bei ihren Spielen so laut, eine Kindergruppe hätte sie nicht toppen können. Um nicht auch noch schwarz zu sehen, entschieden wir uns dann doch, dieses ungastliche Gelände zu verlassen und uns einen idyllischeren Ort zu suchen.
Der Frauensee war auch blau, aber dort war es dann sehr ruhig. Hier blieben wir eine Weile, und einige nutzten diese Möglichkeit zu einem Bad. Ich hoffe für unsere Wasserratten, daß es nicht die letzte Gelegenheit war in diesem Zick-Zack-Sommer mit seinen Achterbahn-Temperaturen. Jedenfalls war dieser Aufenthalt hier ein schöner Ausgleich für die etwas verdorbene Pause im Haus des Waldes. Ich erwartete jeden Moment, daß Egon uns jetzt mit seinen Siebenmeilenstiefeln von hinten in die Hacken treten würde, aber es passierte nicht. Ich glaubte, seinen Atem schon zu spüren, aber es war offensichtlich ein Phantom. Er war noch weiter ent-fernt, als ich vermutet hatte. Erst als wir uns wieder Gräbendorf näherten, rappelte in meiner Hose mein Handy. Erst jetzt war auch er am Frauensee angekommen. Ich wollte schon eine Vermißtenanzeige aufgeben. Dieses Telefonat hatte mich unaufmerksam gemacht, so daß ich am nächsten Abzweig vorbeilief. Aber wozu hatte ich denn einen Rettungsengel dabei? Ich wollte ihm auch einmal die Chance geben, sich zu bewähren. Nach wenigen Schritten waren wir auch wieder auf der Spur.
Wie für uns bestellt, feierten die Gräbendorfer am Nachmittag ein Herbstfest, und so endete auch diese Wanderung wieder mit einer Schlemmerei. Vorsorglich informierte ich alle noch einmal über die Abfahrtszeit des Busses. Ich habe es mir verkniffen, denjenigen einen schönen Abend zu wünschen, die nur noch die Rücklichter unseres Busses sehen sollten. Der nächste Bus fuhr nämlich erst fünf Stunden später. Und eh ich es vergesse: Jetzt sahen wir Egon auch noch einmal von vorn. Er schlemmte auch und zog mit seiner Gruppe nach einer letzten Verabschiedung weiter nach Königs Wusterhausen.
Meine Mitwanderer kann ich nur loben. Sie waren so pflegeleicht, wie noch keine Gruppe zuvor. Sie waren microsoft und internet(t).
