32. Fontanewanderung - Falkenberg-Malchow-Buch
Im Jahr 2010 brauchten wir uns um die waldbrandwarnstufengerechte Durchführung der Wanderung keine Sorgen zu machen: An den Tagen zuvor hatte es ausreichend geregnet und die Temperaturen am Tage der Wanderung waren so, dass man eine 37-km-Wanderstrecke ertragen konnte. Neu bei der 32. Wanderung war, dass wir einen Raum hatten, in dem sich die Starthelfer aufhalten konnten. Dank dafür an das Team des Kiez-Treff W am S-Bf. Ahrensfelde.
Um 7:00 Uhr fand ich mich dort ein, um auf die zahlreichen Wanderer zu warten. Als wir um 8:00 Uhr starteten, waren wir immerhin 12.
Zügig begannen wir die Wanderung, und bald erreichten wir den Ortsteil Falkenberg. Die Kirche ist aufgrund der sinnlosen Sprengung durch die Nazis am Ende des 2. Weltkrieges zerstört worden. Geblieben ist uns die Humboldt-Gruft, an der wir die wenigen Sätze Fontanes über diesen Ort vernahmen und erfuhren, dass Frau von Humboldt das Gut Falkenberg kaufte. Warum sie das tat, erfuhren wir nicht: Es gibt darüber keine gesicherten Quellen.

Der weitere Weg führte uns am Rand von Wartenberg bis nach Malchow. Auf unserem Wege wanderten wir am Malchower See entlang und hatten Glück, dass das Hochwasser nicht unsere Furt unpassierbar machte. Am Malchower Herrenhaus, das Paul von Fuchs zu einem Edelsitz ausbauen ließ, hörten wir, wie schlecht es unserem Namenspatron erging, als er im Winter bei Wind und Wetter nach Malchow kam und Spuren des Paul von Fuchs entdecken wollte. Die Malchower Kirche erlitt zur gleichen Zeit wie die Falkenberger das gleiche Schicksal. Vor der zerstörten Kirche steht deshalb ein schön gestaltetes Denkmal.
Nach Überquerung des Blankenburger Pflasterweges bogen wir bald an einem Rapsfeld ab. Danach hätte es gefährlich werden können: die Wanderung führte zwischen zwei Golfplätzen vorbei. 
Zum Glück war zu dieser Zeit dort noch nicht viel los, so dass wir eine erste längere Pause machen konnten. Auch der Überweg über die Eisenbahn vollzog sich ohne Probleme, obwohl an der am Fußsteg vorbeiführenden Straße viele Baumaschinen standen, die nichts Gutes ahnen ließen. So erreichten wir die Kirche von Karow. Hier gesellte sich noch ein weiterer Wanderfreund zu uns. Wir hatten natürlich die Möglichkeit, uns die Kirche von innen anzusehen und erfuhren viel Interessantes zur Geschichte von Karow und seiner Kirche.
Mit dem Geläut der Kirchenglocken setzten wir unsere Wanderung um 12:00 Uhr fort. Kurz danach verabschiedeten sich zwei Wanderfreundinnen. Sie hatten sich offenbar überschätzt, denn bis hier war das Tempo der Streckenlänge angemessen. Jetzt traten wir in den interessanteren Teil der Wanderung ein. Zuerst liefen wir entlang der Karower Teiche und dann entlang der Bogenseekette. Schließlich erreichten wir Schönerlinde. Hier, am Ziel der 25-km-Strecke, verabschiedete sich eine Wanderfreundin. Wir anderen liefen noch ein Stück weiter und machten am Eiscafé eine richtige Einkehrpause. Ein jeder konnte das zu sich nehmen, worauf er Appetit hatte, denn auf der Speisekarte stand viel mehr als nur Eis. Doch jede Rast hat ein Ende und wir wollten ja noch nach Buch, vor allem in die dortige Kirche. Also gingen wir frohen Mutes weiter - inzwischen zeigte sich auch die Sonne - durch die ehemaligen Rieselfelder. Am Aussichtspunkt konnten wir uns über die Technik der Wasserbereinigung durch Verrieselung informieren und erfuhren, warum
heutzutage geklärtes Wasser wieder dorthin geleitet wird. Hobrechtfelde war dann unsere nächste Station.
Von hier war es nicht mehr sehr weit in den Schlosspark von Buch und zur Kirche. Einhellig waren wir nach der Führung der Meinung, dass hier Theodor Fontane irrte, wenn er der Meinung war, dass die Kirche nicht schön sei. Völlig im Zeitlimit erreichten wir den S-Bahnhof und freuten uns in der Abendsonne, dass ein Park nicht nur im Herbst bunt ist. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es aufgrund der guten Fahrverbindungen möglich war, dass eine Teilnehmerin der später gestarteten 15-km-Strecke sich an der Bucher Kirche zu uns gesellte.
Alle Teilnehmer fanden, dass die Strecke wieder sehr gut ausgewählt war und sie ein schönes Erlebnis mit nach Hause nehmen.
Auch Helga Fischer, die Wanderleiterin der 16-km-Strecke, verfasste wieder einen Bericht.
Wie immer im Mai waren wir wieder auf neuen Fontanewegen unterwegs. Ich hatte 19 Mitwanderer, neugierig, aber auch mit großem Mitteilungsbedürfnis. Hätte ich meine Augen geschlossen, ich hätte das Gefühl bekommen, um mich herum scharen sich glückliche Hühner in Freilandhaltung. Das stimmt nicht ganz, wir hatten ja auch noch drei Hähne dabei. Uschi machte die Buchführung. Zwischenzeitlich hatte ich Angst, sie würde im Gewusel die Übersicht verlieren, aber mit ihrem hervorragenden Organisationstalent meisterte sie die Aufgabe ausgezeichnet. Sigrid säuberte den Bahnhof noch von unseren Plakaten, und mit der Verspätung von einem akademischen Drittel ging es los.
Am Seelgraben entlang wanderten wir nach Falkenberg, an der Dorfkate vorbei. Gnadenlose Wanderfreunde ließen es sich wieder nicht nehmen, vom tollen Kuchenangebot zu schwärmen, wohlwissend, daß es für uns zu diesem Zeitpunkt unerreichbar war. Wir gelangten an die erste Straße, und Egon erhöht unsere Aufmerksamkeit immer mit dem Hinweis "Vorsicht!" in seiner Streckenbeschreibung. In der Vergangenheit hieß es meist "Vorsicht! Starker Autoverkehr!". Der Unterschied liegt darin, daß er diesmal vor seinen Straßenüberquerungen nie mehr als drei Autos sichtete. Der kurze Hinweis "Vorsicht!" zeigt also, daß in Falkenberger Gegend eine Ruhe herrscht wie zur Kutschenzeit Fontanes.
Unser weiterer Weg war gesäumt von blühenden Rhododendron und weiten Rapsfeldern. Er führte uns durch eine Kleingartenanlage und am Hechtgraben entlang in die Nähe von Wartenberg. Jetzt, obwohl noch nicht lange unterwegs, wurde es noch einmal spannend für mich. Vor uns lag die Endhaltestelle der Straßenbahnen M4 und M5. Sie fahren beide zum Hackeschen Markt und zuvor über den Alexanderplatz. Und was eine Leuchtschrift "Alexanderplatz" bedeutet, hatte ich bei einer meiner Wanderungen bereits erfahren können. Aber diesmal entstand keine Hektik, niemand stieg aus, alle klebten weiterhin an meinen Fersen. Vielleicht lag es daran, daß die Straßenbahn nur von der Seite zu erkennen war.
Am Malchower See wurde es dann abenteuerlich. Wir mußten durch einen Graben, durch modriges Gelände und über quer liegende Bäume. Jammern und Heulen prallten an mir ab. Schließlich hatten helfende Hände schon mit einer Gitterbetonplatte eine Furt gebaut, die uns trockenen Fußes den Graben überqueren ließ.
Auch wurden einige umgefallene Bäume gespalten, um uns den Durchgang zu erleichtern. Nur Match und Moder auf dem Uferweg konnte ich nicht wegzaubern, und der Protest richtete sich auch hauptsächlich gegen das Schuheputzen am Abend. Na ja, mein grenzenloses Mitleid war euch sicher. Auf unserem weiteren Weg an der Pferdekoppel hinter der Naturschutzstation Malchow hatten wir dann unsere Zooerlebnisse: schmusende Pferde, eine große Familie Damwild, die ihre Köpfe neugierig in unsere Richtung drehten, ja und Störche, weiße Störche, die sich in ihrem Nest auch zeigten. An den Golfplätzen machten wir dann eine Pause im Grünen. "Das Gras ist nass!", hörte ich schon den Ersten maulen. Ja, dies ist so, wenn es in der Nacht geregnet hat. Leise stöhnend fragte ich mich: Warum habe ich sie nicht dabei, - die lange Bank für 20 Leute mit Rückenlehne und Blick zur Sonne?
Unser letzter Anlaufpunkt war die Kirche in Karow. Dort fand gerade eine Trauung statt, trotzdem trauten wir uns an der Hochzeitsgesellschaft vorbei und zogen eine Runde um Berlins ältestes Gotteshaus nördlich der Spree. Jetzt ging es nur noch die lange Frundsbergstraße entlang zum Bahnhof. Am Ziel ließ uns die S-Bahn dann genug Zeit, um uns ohne Eile zu verabschieden. Oft ist es so, daß sich Wanderer fluchtartig, ohne Tschüß zu sagen, noch durch die schon halbgeschlossene Zugtür quetschen. Doch diesmal fand alles in fontanischer Ruhe statt.
